Eine Frage des Loslassens…?

Immer wieder beschäftigt uns Trauernde die Frage des „Loslassens“. Von außen wird uns nahegelegt, dass es nun an der Zeit sei, den Verstorbenen loszulassen, in uns fragen wir uns, ob wir nicht loslassen müssten, um Platz für Neues schaffen zu können… Aber loslassen im Sinne von „endgültig gehen lassen“ möchten wir unsere geliebten Verstorbenen auf keinen Fall! Ich habe zu diesem Thema ein sehr schönes Gedicht von Angelika Daiker gefunden, das mich sehr angesprochen und berührt hat:

Was ich einmal gelebt habe,

ich möchte es

nicht bedauern,

nicht loslassen,

nicht überwinden,

nicht verdrängen,

nicht vergessen,

ich möchte es

bewahren

in mir,

in Dir.

(Angelika Daiker)

 

Wie sieht das „Bewahren“ für Dich aus?

 

Gedanken geteilt von Emilia

Mama

Mama, vor sechs Jahren bist du gestorben. Heute ist dein sechster Todestag. Sechs Jahre ohne dich sind eine lange Zeit. Meine Erinnerungen scheinen zu verblassen, oder es fällt mir schwerer, sie zum Leben zu bringen – dich für einen Moment wiederzubeleben. Das ist schmerzhaft, dein Verlust schmerzt auch nach so langer Zeit immer noch.

Es ist viel passiert in den sechs Jahren. Dein sechster Todestag ist gleichzeitig mein erster als Mutter. Ja, du bist Oma geworden und der Gedanke daran, wie sehr du dich über deine Enkelin gefreut hättest, bringt mir Tränen in die Augen. Kostbare Tränen, die mit der Zeit mehr und mehr versiegt sind, Tränen über die ich mich jetzt freuen kann. Sie zeigen mir, dass meine Liebe zu dir auch diese lange Zeit überstanden hat – diese ist kein Stück verblasst, wie so manche Erinnerung.

Mir wurde von einer Freundin gesagt, dass sich der Blickwinkel ändert, wenn man selbst Kinder bekommst. Man blickt in die Zukunft und weniger in die Vergangenheit. Ich würde das so nicht ganz unterschreiben. Ich blicke weiterhin in die Vergangenheit zurück auf unsere Zeit miteinander. Aber zu dem weinenden Auge, ist nun ein lachendes hinzugekommen. Ich freue mich über den Schatz, den du mir vermacht hast. Nur durch dich und deine Liebe, weiß ich, wie ich eine gute Mutter sein kann. Ich habe schließlich von der besten gelernt. Seit meine kleine Maus da ist, hat sich vieles auch in meiner Trauer um dich verändert. Viele aufwühlende schmerzende Gefühle sind Dankbarkeit gewichen. Dankbarkeit für deine Freundschaft, deine Werte, deine Liebe… einfach dafür, dass ich DICH zur Mutter haben durfte .

Die Wirkung, die ein Mensch auf andere ausübt – oft ohne bewusstes Denken oder Wissen -, überträgt sich, wie konzentrische Wellenbewegungen auf dem Wasser – fortwandernde, sich durchdringende und überlagernder Einflusskreise, die sich über Jahre, auch über Generationen auswirken können. (Irvin Yalom)

 Mama, du bist durch deinen Tod nicht ausgelöscht, denn du lebst in der Liebe, die ich für meine Tochter empfinde weiter. Und so wird deine Liebe hoffentlich über Generationen hinweg durch den Welleneffekt weitergetragen, auch dann noch, wenn sich keiner mehr an uns erinnert.

 

Text geteilt von Ricarda

Trauergruppen für junge Erwachsene im Aufbau in Endingen/Kaiserstuhl und Schopfheim

Wir haben schöne Neuigkeiten für all jene unter euch, die im Norden und Süden von Freiburg wohnen:

Wir haben zwei sehr motivierte Initiativen von Betroffenen kennengelernt, die gerade dabei sind jeweils in Endingen am Kaiserstuhl und in Schopfheim im Schwarzwald Trauergruppen für junge Erwachsene aufzubauen. Das sind wunderbare Nachrichten, dass sich nun immer mehr Möglichkeiten und Angebote (für junge Menschen) ergeben, sich seiner Trauer widmen zu können! Falls ihr in der Nähe wohnt, wäre das für euch ja vielleicht eine Idee beim nächsten Treffen dort vorbei zu schauen?

Hier noch ein paar Infos und die Kontaktdaten der beiden Gruppen:

Trauergruppe für junge Erwachsene in Schopfheim

  • „In der Trauer braucht es manchmal andere Menschen. Wir geben jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 – 35 Jahren die Möglichkeit, mit anderen Trauernden in Kontakt zu kommen. In unserer Runde geben wir Raum, um unabhängig von Herkunft und Religion, Gefühle und Gedanken zu teilen oder einfach nur da zu sein.
  • Die Trauergruppe findet freitags, einmal im Monat, von 18 – 20 Uhr statt. Wir treffen uns in den Räumen der Diakonie Schopfheim, Hauptstraße 94, am 2.8., 6.9. und am 18.10. Weitere Termine folgen. Anmeldung und Fragen an jungetrauerndeschopfheim@hotmail.com.“

Trauergruppe für junge Erwachsene in Endingen/Kaiserstuhl

  • Eingeladen sind Trauernde von 17 bis 36 Jahren, aktuell geplante Termine einmal im Monat immer Montags um 18.00 Uhr. Erste Terminereihe: 16.09., 14.10., 11.11. und 09.12.2019
  • Kontakt und Anmeldung: Stephanie Haible, Tel. 07642-6879778, E-Mail: shaible@web.de
  • Mehr Informationen im Flyer

 

Entdeckung geteilt von Emilia

Der Stein zum Leben

Vor zwei Wochen ist im Freiburger Friedrichsbau Kino der Film „Der Stein zum Leben“ angelaufen, ein Dokumentarfilm über die Arbeit des Steinmetz Michael Spengler, der Grabsteine für die Verstorbenen zusammen mit ihren Hinterbliebenen gestaltet.

Die Dokumentarfilmerin Katinka Zeuner, selbst von Trauer betroffen, beschreibt: „Ein Zirkuswagen und ein Frachtcontainer dienen dem Steinmetz Michael Spengler als Werkstatt. Hier empfängt er Menschen in Trauer. Gemeinsam gestalten sie Grabsteine, die von den Toten erzählen. […] Der Film erzählt von diesem mühevollen und intimen Prozess und zeigt wie die Arbeit am Stein den Tod im wahrsten Sinne des Wortes be-greifbarer macht. Die Steine nehmen Form an. Und in den Angehörigen reift ein neues Verhältnis zu ihren Toten – und zum Leben.“

Mehr Infos findet ihr hier.

Frühling

1 (21)

Die Knospen springen auf,

auch wenn ich unentschlossen bin.

Die Amseln singen,

auch wenn ich verstummt bin.

Dein Frühling setzt sich durch!

(Angelika Daiker)

 

Gedicht geteilt von Emilia

Sterben üben?!

…so heißt der Blog von Jasmin:

„Der Blog ist für mich die Übung für den Ernstfall. Leben ist ja schließlich irgendwie auch Sterben, nur blende ich das gerne aus. Das soll ab sofort anders werden, und diesen Prozess halte ich hier im Blog fest. Ihr könnt mir also zusehen, wie ich selbst das Sterben übe…“

Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch mal rein! Ihr findet dort jede Menge unterschiedliche Geschichten aus ihrem Alltag als Sternenkinder-Fotografin und Begleiterin von Sterbenden.

 

Entdeckung geteilt von Emilia