Mama

Mama, vor sechs Jahren bist du gestorben. Heute ist dein sechster Todestag. Sechs Jahre ohne dich sind eine lange Zeit. Meine Erinnerungen scheinen zu verblassen, oder es fällt mir schwerer, sie zum Leben zu bringen – dich für einen Moment wiederzubeleben. Das ist schmerzhaft, dein Verlust schmerzt auch nach so langer Zeit immer noch.

Es ist viel passiert in den sechs Jahren. Dein sechster Todestag ist gleichzeitig mein erster als Mutter. Ja, du bist Oma geworden und der Gedanke daran, wie sehr du dich über deine Enkelin gefreut hättest, bringt mir Tränen in die Augen. Kostbare Tränen, die mit der Zeit mehr und mehr versiegt sind, Tränen über die ich mich jetzt freuen kann. Sie zeigen mir, dass meine Liebe zu dir auch diese lange Zeit überstanden hat – diese ist kein Stück verblasst, wie so manche Erinnerung.

Mir wurde von einer Freundin gesagt, dass sich der Blickwinkel ändert, wenn man selbst Kinder bekommst. Man blickt in die Zukunft und weniger in die Vergangenheit. Ich würde das so nicht ganz unterschreiben. Ich blicke weiterhin in die Vergangenheit zurück auf unsere Zeit miteinander. Aber zu dem weinenden Auge, ist nun ein lachendes hinzugekommen. Ich freue mich über den Schatz, den du mir vermacht hast. Nur durch dich und deine Liebe, weiß ich, wie ich eine gute Mutter sein kann. Ich habe schließlich von der besten gelernt. Seit meine kleine Maus da ist, hat sich vieles auch in meiner Trauer um dich verändert. Viele aufwühlende schmerzende Gefühle sind Dankbarkeit gewichen. Dankbarkeit für deine Freundschaft, deine Werte, deine Liebe… einfach dafür, dass ich DICH zur Mutter haben durfte .

Die Wirkung, die ein Mensch auf andere ausübt – oft ohne bewusstes Denken oder Wissen -, überträgt sich, wie konzentrische Wellenbewegungen auf dem Wasser – fortwandernde, sich durchdringende und überlagernder Einflusskreise, die sich über Jahre, auch über Generationen auswirken können. (Irvin Yalom)

 Mama, du bist durch deinen Tod nicht ausgelöscht, denn du lebst in der Liebe, die ich für meine Tochter empfinde weiter. Und so wird deine Liebe hoffentlich über Generationen hinweg durch den Welleneffekt weitergetragen, auch dann noch, wenn sich keiner mehr an uns erinnert.

 

Text geteilt von Ricarda

Trauergruppen für junge Erwachsene im Aufbau in Endingen/Kaiserstuhl und Schopfheim

Wir haben schöne Neuigkeiten für all jene unter euch, die im Norden und Süden von Freiburg wohnen:

Wir haben zwei sehr motivierte Initiativen von Betroffenen kennengelernt, die gerade dabei sind jeweils in Endingen am Kaiserstuhl und in Schopfheim im Schwarzwald Trauergruppen für junge Erwachsene aufzubauen. Das sind wunderbare Nachrichten, dass sich nun immer mehr Möglichkeiten und Angebote (für junge Menschen) ergeben, sich seiner Trauer widmen zu können! Falls ihr in der Nähe wohnt, wäre das für euch ja vielleicht eine Idee beim nächsten Treffen dort vorbei zu schauen?

Hier noch ein paar Infos und die Kontaktdaten der beiden Gruppen:

Trauergruppe für junge Erwachsene in Schopfheim

  • „In der Trauer braucht es manchmal andere Menschen. Wir geben jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 – 35 Jahren die Möglichkeit, mit anderen Trauernden in Kontakt zu kommen. In unserer Runde geben wir Raum, um unabhängig von Herkunft und Religion, Gefühle und Gedanken zu teilen oder einfach nur da zu sein.“
  • Die Trauergruppe findet freitags, einmal im Monat, von 18 – 20 Uhr statt. Wir treffen uns in den Räumen der Diakonie Schopfheim, Hauptstraße 94 am 2.8., 6.9. und am 18.10.2019. Kommende Termine 2020: 24. Januar, 28. Februar, 27. März, 24. April, 15. Mai und 19. Juni
  • Anmeldung und Fragen an jungetrauerndeschopfheim@hotmail.com und auf der Webseite.

Trauergruppe für junge Erwachsene in Endingen/Kaiserstuhl

  • Eingeladen sind Trauernde von 17 bis 36 Jahren, aktuell geplante Termine einmal im Monat immer Montags um 18.00 Uhr. Erste Terminereihe: 16.09., 14.10., 11.11. und 09.12.2019
  • Kontakt und Anmeldung: Anita Pfanner (Telefon unter 07642-4926 oder per Mail unter anita.pfanner@gmx.de)
  • Mehr Informationen im Flyer

Entdeckung geteilt von Emilia

Der Stein zum Leben

Vor zwei Wochen ist im Freiburger Friedrichsbau Kino der Film „Der Stein zum Leben“ angelaufen, ein Dokumentarfilm über die Arbeit des Steinmetz Michael Spengler, der Grabsteine für die Verstorbenen zusammen mit ihren Hinterbliebenen gestaltet.

Die Dokumentarfilmerin Katinka Zeuner, selbst von Trauer betroffen, beschreibt: „Ein Zirkuswagen und ein Frachtcontainer dienen dem Steinmetz Michael Spengler als Werkstatt. Hier empfängt er Menschen in Trauer. Gemeinsam gestalten sie Grabsteine, die von den Toten erzählen. […] Der Film erzählt von diesem mühevollen und intimen Prozess und zeigt wie die Arbeit am Stein den Tod im wahrsten Sinne des Wortes be-greifbarer macht. Die Steine nehmen Form an. Und in den Angehörigen reift ein neues Verhältnis zu ihren Toten – und zum Leben.“

Mehr Infos findet ihr hier.

Frühling

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Die Knospen springen auf,

auch wenn ich unentschlossen bin.

Die Amseln singen,

auch wenn ich verstummt bin.

Dein Frühling setzt sich durch!

(Angelika Daiker)

 

Gedicht geteilt von Emilia

Sterben üben?!

…so heißt der Blog von Jasmin:

„Der Blog ist für mich die Übung für den Ernstfall. Leben ist ja schließlich irgendwie auch Sterben, nur blende ich das gerne aus. Das soll ab sofort anders werden, und diesen Prozess halte ich hier im Blog fest. Ihr könnt mir also zusehen, wie ich selbst das Sterben übe…“

Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch mal rein! Ihr findet dort jede Menge unterschiedliche Geschichten aus ihrem Alltag als Sternenkinder-Fotografin und Begleiterin von Sterbenden.

 

Entdeckung geteilt von Emilia

 

Trauertattoo

Ich bin letztens über das Buch „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft“ von Katrin Hartig und Stefanie Oeft-Geffarth gestolpert und habe es mir bestellt und gelesen. Das Buch portraitiert Menschen in ihren individuellen Trauerprozessen, die sich nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen ein Tattoo haben stechen lassen, um ihrer Trauer einen Ausdruck zu geben. Die Tattoos sind fotografisch abgebildet und die jeweilige persönliche Geschichte dazu wird in Interviews erfragt und dargestellt. Darüber hinaus finden sich im Buch einige Interviews mit verschiedenen Experten zum Thema Trauer.

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Da ich selbst ein Tattoo trage, welches ich mir in meinem Prozess der Trauer habe stechen lassen, hat mich „die Haut als Gefühlslandschaft“ besonders angesprochen. In einigen Äußerungen der Portraitierten konnte ich mich wiederfinden, in manchen nicht. Aber so ist das mit der Trauer ja oft – sie ist individuell und wird von jedem anders gestaltet. Inspirierend und bereichernd war die Lektüre jedoch allemal; auch für Nicht-TattooträgerInnen zu empfehlen.

Zu dem Projekt, welches neben dem Buch auch eine Wanderausstellung umfasst, kommt ihr hier.

 

Entdeckung geteilt von Lea

Wenn der Schmerz fast unerträglich wirkt…

…dann ist das so schwer zu beschreiben. Stephi hat es dennoch versucht in Worte zu fassen.

Worte

Ich hasse Worte.
Worte können nicht beschreiben wie sich ein Tag ohne dich anfühlt.
Eine Stunde. Eine Minute. Eine Sekunde.
Ohne dich.
Der Gedanke an ein Leben ohne dich.

Leere.
Dunkelheit.
Ein Loch so tief, dass man einen Kieselstein, den man fallen lässt, unten nicht aufschlagen hört.
Niemals.

Folter.
Unendliche Sehnsucht.
Danach dich zu berühren. Deine Stimme zu hören.
Noch ein letztes Mal.

Die Welt ist explodiert.
In 1000 Stücke.
Wie mein Herz.
Du bist weg. Du bist tot. Einfach so.

Ich hasse Worte.
Worte können nicht beschreiben was es bedeutet, dass du nicht mehr hier bist.
Dass du nicht mehr hier sein darfst.
Wie es sich anfühlt.

Worte sind nicht genug.
Ich hasse es, dass du nicht mehr hier sein darfst.
Und ich hasse Worte.
Weil sie niemals werden beschreiben können wie sich ein Leben ohne dich anfühlt.

(Stephi)

Gedicht geteilt von Stephi

Trauer Leben Freiburg im Radio

Hier könnt ihr einen schönen Beitrag über unsere Initiative Trauer Leben Freiburg nachhören, welchen Radio Dreyeckland am Montag, den 18. Februar 2019 im Morgenradio gesendet hat.

Darin erzählen die Gründerinnen Ricarda und Emilia von der Idee der Initiative und den verschiedenen Angebote. Unser erster Radiobeitrag, wie aufregend… 😉

Viel Freude beim Anhören!

 

Geteilt von Ricarda und Emilia

 

Das Grab meiner Mutter besuchen…

»Ich hasse Friedhöfe. Muss ich trotzdem zum Grab meiner­ Mutter gehen? Oder reicht es, ihrer von zu Hause aus zu gedenken?« Julia S., Braunschweig

Über diese Frage bin ich heute gestolpert, als ich das Magazin der Süddeutschen Zeitung überflogen habe. Die Worte ließen mich innehalten, weil ich sie mir selbst schon endlos oft gestellt habe. Auch meine Mutter lebt nicht mehr. Sie wurde auf dem Friedhof in meiner Heimatstadt begraben. Ich habe bereits vor ihrem Tod nicht mehr dort gelebt, bin aber immer regelmäßig zu Besuch zurückgekehrt. Ich habe das gerne gemacht, weil ich mich auf ein paar gemeinsame Stunden gefreut habe. Heute steige ich lange nicht mehr so oft in den Zug in Richtung Heimat. Ein Besuch dort bedeutet auch immer ein Besuch auf dem Friedhof. Für lange Zeit nach ihrem Tod habe ich das als eine Pflicht betrachtet. Mit einem mulmigen Gefühl und nicht selten mit komplett leerem Kopf stand ich an ihrem Grab, ohne die starke Bindung zu spüren, die früher zwischen uns bestand. Meine Besuche wurden mit der Zeit weniger. Ich hatte nicht das Gefühl, dass auf dem Friedhof zu sein auch gleichzeitig bedeutet, bei ihr zu sein. Es gibt täglich so viele Momente, ganz unabhängig von dem Ort, an denen ich an meine Mutter denke. Es hat mich irritiert, dass ich das ausgerechnet auf dem Friedhof nicht spüre.

Erst vor kurzem habe ich wieder das Bedürfnis verspürt ihr Grab zu besuchen. Ich bin in den Zug gestiegen und wenige Stunden später stand ich auf dem Friedhof. Es fühlte sich anders an, als die vielen Male zuvor. Ich habe den Ort nicht aus Pflichtgefühl aufgesucht, sondern aus eigenem Wunsch. Und tatsächlich konnte ich ihr viel erzählen. Wann ich das nächste Mal wieder auf den Friedhof gehe, das weiß ich nicht. Der Tag kommt bestimmt, aber in meinem Tempo. Und bis dahin denke ich trotzdem jeden Tag an sie.

Möchtest du wissen, was die Autorin Johanna Adorján auf die Frage antwortete? Hier geht es zum Artikel.

 

Gedanken geteilt von Carola