Geschichten & Gesichter

Hier stellen Menschen aus den verschiedenen Gruppen von Trauer Leben Freiburg sich und ihre Geschichte vor. So kannst du uns vorab schonmal kennenlernen…


Vanessa_Porträt

Ich bin Vanessa, 28 Jahre alt. Mein Bruder verstarb im Juli 2018 ganz unerwartet. Für mich brach eine Welt zusammen, ich wollte nicht akzeptieren, dass mein Bruder auf einmal fehlt und wusste auch nicht mit meiner Trauer umzugehen. Lange habe ich mich verschlossen, zurückgezogen und meine Trauer mit mir selber ausgemacht, leise still und heimlich, bis ich an einem Punkt der Verzweiflung war und mich fragte, ob ich überhaupt alleine aus der Trauer je wieder herauskommen könnte. Durch Empfehlung wurde ich dann auf Trauer Leben Freiburg aufmerksam, lange überlegte ich, ob es das richtige ist, meine Trauer mit anderen zu teilen, meine Sorgen und meine Gefühle zuzugeben…? Ich nahm dann meinen Mut zusammen und besuchte verschiedene Angebote, u.a. die Geschwistergruppe, und kann nur sagen: DANKE! Es tat gut sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, sowie auch zu weinen! Das Angebot der Entwicklungszeiten nahm ich auch in Anspruch, hier konnte ich mich endgültig öffnen und den Gefühlen, Sorgen und Ängsten freien Lauf lassen. Ohne Trauer Leben Freiburg wäre ich nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt stehe! Rückblickend weiß ich, mein Bruder sowie meine Familie ist stolz auf mich, dass ich meinen Weg der Trauerverarbeitung gefunden habe!

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Ich bin Judith, ich liebe das Leben und die Freude am Leben und die schönen Dinge im Judith_PorträtLeben und will stets dankbar sein dafür. Als mein Vater am 13. Februar 2019 starb, hat es mich ganz schön durcheinander gebracht. Ich war überrollt und überwältigt von Trauer und das viel länger als erwartet. Ich hatte mir irgendwann mal Gedanken gemacht, was passieren würde, wenn mein Vater sterben würde. Damals dachte ich, es würde meinen Glauben an Gott erschüttern. Das hat es zum großen Glück nicht. Mein Glaube ist tiefer und stärker geworden und ich darf einen Gott erleben, der mich durch die Trauer hindurch trägt und meinen Schmerz kennt. Aber meine Selbstsicherheit war ein Stück verloren gegangen. Mein Vater hat mir stets seinen Stolz ausgedrückt, viel mit Worten und wo wir uns sahen mit festen, väterlichen Umarmungen. Das ist mit einem Mal weggefallen.
Ich wusste, dass ich nicht alleine mit meiner Trauer zurecht kommen kann und zum Glück nicht muss. Ich bin dankbar für einen tollen Mann und gute Freunde, die mich tragen und mit mir das Leben immer wieder feiern. Aber ich bin sehr dankbar die vielfältigen Angebote von Trauer Leben Freiburg gefunden zu haben. Menschen die sehr genau nachvollziehen können, wie sich Trauer anfühlt. Sie geben mir Bestätigung, dass ich nicht alleine bin mit diesen starken Gefühlen und dass es völlig normal ist, dass Trauer immer wieder im Leben „hochkommt“. Sie bahnt sich ihren Weg.
So gehe ich jetzt weiter und achte darauf, der Trauer den Raum zu geben, den sie braucht und wo sie ihn nicht braucht, weiterhin das Leben zu feiern und dankbar zu sein. Ich bin dankbar für das, was ich in meinem Vater haben durfte und weiterhin haben darf. Das, was er mir gegeben hat, kann mir niemand nehmen.

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Nora_PorträtMein Name ist Nora, 1992 geboren. Im Jahr 2015 habe ich ganz plötzlich und unerwartet meinen Vater verloren. In der ersten Zeit danach konnte ich nur ganz schwer über meine Trauer sprechen, die Gefühle waren zu groß, um sie in Worte zu fassen und ich hatte den Eindruck, dass viele Menschen in meinem Umfeld sehr überfordert waren mit der Sprachlosigkeit. Einige Jahre habe ich versucht, vieles mit mir selbst auszumachen und weiter zu funktionieren. Nach langer Zeit, in der ich versucht habe, immer stark zu sein, hat meine Fassade irgendwann dann doch angefangen zu bröckeln. Das hat mich zunächst ziemlich überfordert, aber inzwischen setze ich mich mit meiner Trauer und all den Gefühlen, die damit einhergehen auseinander und finde es sehr befreiend, mich weniger zu verstecken. Bei den Entwicklungszeiten habe ich ganz neue, kreative Zugänge zu mir und meinen Gefühlen entdeckt und für mich war es eine wichtige Erfahrung, in der Gruppe auch gegenseitig die Sprachlosigkeit und den Schmerz auszuhalten, darin liegt eine besondere Kraft.

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Ich bin Johannes, 1997 geboren. Mein Vater verstarb 2017 an Krebs, wobei die Johannes_PorträtKrankheitsphase in die Abiturphase fiel, sodass die Möglichkeit des Trauerns aufgrund des Lernens teilweise überschattet wurde. Schnell holte mich auch der Alltag wieder ein, da die Beendigung der Schule zugleich mit vielem verbunden war. Was soll ich nach der Schule machen? Was will ich studieren? Dadurch wurde es gefühlt schlichtweg „normal“, dass mein Vater fehlt; die Zeit verging zu schnell und viel zu viel anderes beschäftigte mich. Um mich bewusst der Verarbeitung und Trauer zu widmen suchte ich dann irgendwann nach einer Selbsthilfegruppe. Dabei stieß ich auf Emilia und Ricarda und die Selbsthilfegruppe Trauer Leben Freiburg. Es ist schön sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, einen Raum für die Trauer zu haben oder auch einfach mal Zeit gemeinsam zu verbringen. Ein schöner Ort an dem das (gesellschaftlich verschwiegene) Thema Tod seinen Platz findet und ich Trost, beziehungsweise Halt finden kann.

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Hallo, ich heiße Anna und wohne seit 2012 in Freiburg. Aufmerksam auf Trauer Leben Anna_PorträtFreiburg wurde ich eher durch zufälliges Geraten auf deren Homepage. Diese hat mich sofort angesprochen und ich hatte das Gefühl, dass ich hier meiner Trauer einen Platz geben kann. 1990 habe ich meine jüngere Schwester verloren, damals war ich knapp 2 Jahre alt. Lange Zeit waren die Themen Tod und Trauer tief verschlossen in „einer Kiste“ in mir drin, jedoch wurde ich ab und an von Wellen der Traurigkeit überschüttet. Mit dem Fund des Angebotes war ich entschlossen „die Kiste“ herauszuholen und mit anderen Betroffenen zu sprechen. Seit Frühjahr 2019 besuche ich die Geschwistergruppe, die mir hilft mich nicht allein zu fühlen und mir so wertvolle Ideen gibt, wie ich meine Trauer gestalten kann. Hier darf ich traurig sein, weinen, lachen – ohne dafür schief angeschaut zu werden. Die Trauer und der Verlust werden immer ein Teil von mir sein, der nicht einfach verschwindet. Aber dank der Begegnungen bei den Jungen Trauernden finde ich mehr und mehr Wege damit umzugehen.

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Mein Name ist Sarah und ich bin 1989 in Freiburg geboren. Im Februar 2018 habe ich nach langer schwerer Krankheit meinen Mann verloren.Sarah_Porträt

Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Dein ganzes Leben steht von einer auf die andere Sekunde still, nur für alle anderen geht es weiter. Du bist in deiner Blase aus Trauer und Schmerz gefangen und willst eigentlich nur noch schlafen und aus diesem Albtraum aufwachen.  Doch die Realität holt dich zu jeder Sekunde, Minute, Stunde und Tag ein. Auf einmal musst du dich mit Dingen auseinander setzten von denen du in dem Moment keine Ahnung hast. Du hast existentielle Ängste, weißt nicht wie es für dich weitergeht, wie du überhaupt weiter machen sollst, ob du das alles schaffst…

Ich bin durch das Bestattungsinstitut und das Hospiz Freiburg auf Trauer Leben Freiburg aufmerksam geworden. Am Anfang fiel es mir schwer über meine Geschichte zu reden, die Geschichten der anderen haben mich immer sehr mitgenommen und berührt. Aber die regelmäßigen Treffen haben mir geholfen meine Trauer anzunehmen und mich mit ihr auseinander zusetzten. Durch die Gruppe und den geschützten Rahmen, durch tolle Gespräche und einen schönen Austausch, kannst auch Du hier deine Trauer bearbeiten! Seit Januar 2018 engagiere ich mich auch in der Organisation der Angebote und bin für die Facebook-Seite zuständig (noch im Aufbau).

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Ich bin Hanna. Im März 2017 starb mein Papa, nach kurzer, schwerer Zeit an einem Gehirntumor. Plötzlich veränderte sich alles. Schnell habe ich gemerkt, dass man sich auf so etwas überhaupt nicht vorbereiten kann. Für alle anderen geht das Leben weiter – nur für Dich nicht.bty

Vor eineinhalb Jahren habe ich mich Trauer Leben Freiburg angeschlossen und habe bemerkt, wie gut es tut sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und in einem geschützten Rahmen über seine Trauer und Erfahrungen zu sprechen. Mir ist durch die Treffen bewusst geworden, dass es nicht darum geht, die verstorbene Person loszulassen oder irgendwelche Trauerphasen im ersten Jahr zu durchleben. Sondern der Trauer einen Raum zu geben und dass die Trauer immer ein Teil meines Lebens bleiben wird.

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Ich heiße Selina und bin 1987 geboren. Mein Vater starb 2014 an Krebs. Im Oktober 2017 besuchte ich erstmals die Gesprächsgruppe von Trauer Leben Freiburg in Freiburg und stellte schnell fest, dass ich jederzeit mit meiner Trauer hier her kommen kann.

Selina_PorträtIch habe diesen Schritt erst nach drei Jahren gewagt und bin heute sehr froh darüber, denn im Alltag und in der Gesellschaft war es eher schwierig das Thema aufzuarbeiten, da man ja „funktionieren“ muss oder das Thema Tod immer noch bei vielen Menschen Angst auslöst und es gerne mal beiseite geschoben wird. Mir ist es sehr wichtig, dass offen mit dem Thema umgegangen wird und dass wir hoffentlich noch viele weitere Betroffene mit unserer Gruppe erreichen.
Vor allem, um ihnen zu zeigen, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine sind und es viele Anlaufstellen gibt.

 

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Weitere Geschichten & Gesichter sind noch im entstehen…